Wie alles begann

Am 18. Mai 1984 wurde der CTC 1984 e.V. gegründet.

Doch begonnen hatte alles viel früher.
Dieser Gründungstag unseres Clubs, aus der Not heraus geboren, kann daher nur als eine Station eines langen Weges gesehen werden, der alles andere als problemlos verläuft. Der Name des Vereins und der Standort ändern sich mehrfach. Das Clubhaus brennt zweimal ab, schlimmer aber sind die Existenzängste, die die Vorläufer des CTC jahrelang begleiten. Grund genug, um mit dieser Rückblende die wichtigsten Etappen unserer Vergangenheit aufzuzeigen bis hin zur offiziellen Eröffnung unserer neuen Tennisanlage am 1. Mai 1990 an der Kempener Alle, der vorläufig letzten Station.

1928
Zwei tennisbegeisterte junge Männer machen sich 1928 daran, die Gründung eines neuen Tennisclubs in Angriff zu nehmen. Jupp Körver heißt der eine, Curt Simon der andere. Jupp Körver hat bis dahin auf dem hauseigenen Tennisplatz in Vaters Garten an der Kempener Allee gespielt, Curt Simon auf dem privaten Tennisplatz der Schrebergartenkolonie an der Weyerhofstraße. Als “Einlage” bringen Sie jeweils 15 Mann mit, ein Darlehen über fünftausend Mark vom Sportamt für Leibesübungen und eine Menge Improvisationskunst. Die Eltern müssen für die gerade 21-jährigen die Bürgschaft für den Kredit übernehmen, der Grundstock ist aber gelegt. So viel Tatendrang wirkt ansteckend: aus Linn stößt eine weitere Kleingruppe von 15 Spielern dazu. Der Rest ist Formsache. Zwei Monate später wird der Tennisclub 1928 Rot-Weiß am Neuer Weg gegründet.

Gerade 40 Mitglieder hat der Club nach seiner Entstehung. Der Vorstand besteht aus vier Personen: Jupp Körver (1.Vorsitzender) Curt Simon (Schriftführer), Hans Schröter (Kassierer) und Dieter Bartscher (Sportwart). Auf drei Plätzen wird gespielt, das erste Clubhaus ist eine Baubude der Baufirma Ecken. Organisation ist alles, sagt man sich, wenn es gilt, auf engsten Raum Platz für Damen- und Herrengarderobe nebst kleiner Gastronomie zu schaffen. Die Trennwand zwischen Damen- und Herrengarderobe wird abends kurzerhand zum großen Tisch umfunktioniert. Dass bereits unsere Gründungsväter der Gemütlichkeit einen hohen Stellenwert beimessen, wird schnell deutlich. Die erste größere Anschaffung ist eine große Betonfläche vor dem Clubhaus, damit die Möglichkeit zum Tanz gegeben ist.
 
1930
Die Bauphase zieht sich länger hin als erwartet. Erst 1930 ist die Anlage voll funktionstauglich. Das Multitalent Jupp Körver (“Alle Gewalt geht vom ersten Vorsitzenden aus”) muss aber schon wenige Jahre später die Grenzen seiner Möglichkeiten erkennen. Der neue politische Wind bläst allen Vereinen ins Gesicht. Betriebssportvereine kommen nun in Mode, eine andere Auflage besagt, dass nur noch Sportvereine existieren sollen, die ganzjährig eine Sportmöglichkeit anbieten können. Damit ist das Ende des Tennisclub Rot-Weiss 1928 besiegelt.

1937
Es erfolgt der Umzug in den Stadtwald, es kommt zur Fusion mit dem CHTC. Der neue Vereinsname lautet CHTC-Rot-Weiß. Aber die alten Mitglieder des CHTC können sich mit diesem Namen nicht anfreunden, das “Rot-Weiß” wird kurzerhand gestrichen. Zum Zeitpunkt der Fusion hat der CHTC ganze 25 spielende Mitglieder und sieben Tennisplätze. Das
heutige 83jährige Gründungsmitglied Curt Simon erinnert sich: “Die hatten damals noch nicht einmal genug Mitglieder, um die Plätze zu füllen, selbst wenn alle gleichzeitig auf der Anlage waren. Wir waren deshalb herzlich willkommen.” Mit dieser Fusion gehört man jetzt einem Sportclub an, der im Sommer Tennis und im Winter Hockey anbieten kann, die Auflage ist erfüllt.

1938
Inzwischen hat die Firma Verseidag das Gelände am Neuer Weg gekauft und nutzt die Tennisanlage im Rahmen des Betriebssportes. Die alten Rot-Weiß Mitglieder bleiben aber ihrer Linie treu. Die fünftausend Mark, die die Verseidag für die Anlage zahlt, werden für die Errichtung einer Tanzfläche auf dem CHTC-Geländer verbraucht.

1947
Der Tennisverein Blau-Weiß Krefeld übernimmt die Tennisplätze am Neuer Weg, da die eigene Tennisanlage sowie das Clubhaus bereits 1943 durch einen Bombenangriff total zerstört worden waren. 
 
1954
Die bereits früher aktive Tennisgemeinschaft Verseidag erlebt ihre Wiedergeburt. Nachdem der Tennisverein Blau-Weiß die der Verseidag gehörenden Tennisplätze am Neuer Weg geräumt und die eigene Anlage im Stadtwald bezogen hat, stellt die Firma 1954 ihren Belegschaftsmitgliedern die Platzanlage - wie schon vor dem Krieg - wieder zur Verfügung.

1956
Es kommt erstmals zu einem etwas umfangreicheren Spielbetrieb mit befreundeten Clubs. Dabei gibt es erste Fortschritte im sportlichen Bereich, auch wenn von sieben Turnieren fünf verloren werden.

1957
Der vierte Tennisplatz wird fertiggestellt. Als Zugabe werden die Herren mit einer neuen Umkleidekabine verwöhnt.

1960
Der Spielbetrieb hat einen respektablen Umfang angenommen. Die sportliche Gesamtbilanz ist zum ersten Mal positiv. Von 37 Turnieren werden 21 gewonnen.

1966
Die Einzäunung der Plätze wird fertiggestellt.
Eine Tennis -- Traglufthalle aus Kunststoff wird auf dem späteren Platz 5 errichtet. Die Maße: 36 m Länge, 18 m Breite und 7,80 m Höhe mit einem Rauminhalt von 37.000 cbm und einer überdachten Fläche von 660 qm, Kosten: 40.500 DM

1970
Die 140 Mitglieder der Verseidag Tennisabteilung haben nun auch im Winter die Möglichkeit, auf natürlichem Tennisboden zu spielen. Zutritt haben aber auch Nichtmitglieder, die den gleichen Preis für eine Stunde zu zahlen haben: zehn Mark. Diese Traglufthalle, für die die Verseidag den Stoff webt und zuschneidet, wird in Kooperation mit der Firma Krupp errichtet.

1973
In der Nacht vom 6. zum 7. Dezember macht ein Brand, hervorgerufen durch einen Kurzschluss, das schmucke Clubhaus dem Erdboden gleich. Durch den Brand werden auch die für die Traglufthalle nötigen elektrischen Leitungen zerstört. Da der Ersatzmotor nicht anspringt (ein Unglück kommt selten allein!), geht der Traglufthalle im wahrsten Sinne des Wortes die Puste aus. Sie sinkt in wenigen Minuten in sich zusammen und wird stark beschädigt. Die Reparaturarbeiten gehen aber zügig voran. Bereits Ende Dezember 1973 kann der Spielbetrieb in der Halle wieder aufgenommen werden.

1974
Der Wiederaufbau des Clubhauses gestaltet sich schwierig. Nach der Einreichung der Baugenehmigung stellt sich heraus, dass die vorhandenen Sickergruben nicht wieder genehmigt werden. Die nun von der Stadt Krefeld verlangte Kanalisation bedeutet eine erhebliche finanzielle Belastung. Da das alte Clubhaus nur mit einem für ein Holzhaus angemessenen Betrag versichert war, bleibt keine andere Wahl, als die Mitglieder zur Kasse zu bitten. Die Mitgliederversammlung beschließt eine einmalige Umlage in Höhe von 150 Mark. Der Wiederaufbau geht dennoch langsamer voran als zunächst erhofft. Es muss improvisiert werden, der vom Brand verschonte Teil des alten Clubhauses wird notdürftig zu Umkleideräumen umfunktioniert. Getränke gibt es in den nächsten Monaten nur noch aus der Kühltasche.
 
1975
Endlich gibt es wieder einen Grund zum Feiern. Nach dem ganzen Ärger, den es während der Bauzeit gegeben hat, kann das Clubhaus am Gründonnerstag mit einem zünftigen Fest eröffnet werden. Auch sportlich hat man sich einiges vorgenommen. Ein Zeitgenosse: ”Bei optimistischer Betrachtung kann dann die Bundesliga in zehn Jahren erreicht werden.”

1977
Die Gerüchte, dass ein neuer fünfter Platz gebaut werden soll, verdichten sich. Anlässlich des alljährlichen “Meckerabends” am Ende der Saison wird von der Mehrheit der Mitglieder angeregt, den neuen Platz nicht durch die Aufnahme neuer Mitglieder, sondern durch eine einmalige Umlage von 100 Mark mitzufinanzieren. Der Vorschlag findet die Mehrheit. Noch im selben Jahr wird der Bauauftrag vergeben.

1978
Am 9. April 1978 wird der fünfte Freiplatz eröffnet und seiner Bestimmung übergeben.

1979
Die Verseidag Tennisgemeinschaft feiert ihr 25-jähriges Jubiläum. Inzwischen hat die TG Verseidag 150 erwachsene Mitglieder, dazu kommen noch 40 Jugendliche. Bemerkenswert, dass nur noch rund ein Drittel aller TG Angehörigen bei dem Betrieb der Vereinigten Seidenwebereien AG beschäftigt sind. Der naheliegende Schritt zu einem “eingetragenen Verein”, der auch an den Medenspielen teilnehmen könnte, wird aber nicht vollzogen. Um wettkampfbegeisterten Spielern dennoch die Möglichkeit zu geben am Medenspielbetrieb teilzunehmen, findet man eine Hintertür: offiziell startet man als zweite Mannschaft des Tennis Vereins Grün-Weiß-Grün in den Spielbetrieb.
 
1980
Zum herausragenden Ereignis des Jahres 1980 wird der Meckerabend am 7. November. Seit Monaten sind Gerüchte im Umlauf, nun wird erstmals offiziell die Frage diskutiert, ob die Tennisgemeinschaft Verseidag am Ende ist. Gerüchteweise ist auch zu hören, die Verseidag wolle das Grundstück verkaufen, auf dem die Tennisplätze liegen. Tatsache ist, dass im Krefelder Amtsblatt am 20. Juni 1980 ein Hinweis erscheint, nach dem für das gesamte Gebiet am Neuer Weg ein Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Trotz aller Bemühungen ist von kompetenter Stelle keine verbindliche Information zu bekommen. Die Gründung eines Vereins wird in Erwägung gezogen, jedoch wieder verworfen.
 
1981
Heinz Hildebrand, Verantwortlicher der TG Verseidag, wird beauftragt, sich beim Vorstand der Verseidag um konkrete Informationen zu bemühen. Kernfrage ist, ob ein Verkauf des Geländes das Ende der Tennisgemeinschaft zur Folge hätte. Eine exakte Auskunft ist nicht zu bekommen, immerhin aber die Empfehlung, den bisherigen Status nicht zu verändern. Klar wird aber, dass auch ein eingetragener Verein nicht sicher sein kann, das Tennisplatzgelände weiter nutzen zu können. Guter Rat ist also teuer. Immerhin ist deutlich geworden, dass die Verseidag kein Interesse mehr hat die TG weiterzuführen, zumal zu diesem Zeitpunkt vom “Betriebssport” der Gründerzeit keine Rede mehr sein kann. Die Tennishalle wird abgerissen und nicht wieder aufgebaut. Damit ist das Ende der Tennisgemeinschaft besiegelt.

1982
Die “Gesellschaft bürgerlichen Rechts” übernimmt ab dem 1. April 1982 den Spielbetrieb auf der Anlage. Obwohl die Verseidag eigentlich keinen Nachfolger will und ein eigenständiger Verein aufgrund einer Auflage der Verseidag nicht gegründet werden darf, ist mit diesem “Kunstgriff” der Tennissport zumindest für ein weiteres Jahr gesichert. Die Sache hat jedoch einen Haken: Pachtverträge mit der Verseidag und später mit der Stadt haben fortan lediglich eine Laufzeit von einem Jahr. Ab sofort schwebt also die Angst über der Anlage, jedes Spieljahr könnte das letzte sein.

Immerhin geht es erst einmal weiter wie bisher, denn die neuen Gesellschafter Borsych, Dr. Dress und Vogelsang mit ihrem Geschäftsführer Heinz Hildebrandt sorgen dafür, dass den bisherigen Verseidag Mitgliedern nach Abschluss eines entsprechenden Vertrages die Nutzung der Anlage in der bisherigen Form angeboten wird. Aus der Betriebssportabteilung ist damit notgedrungen eine kommerzielle Einrichtung geworden. Die rund 120 “Freien” fürchten aber weiter um ihre Zukunft, denn mittlerweile ist die Baugesellschaft der Verseidag Eigentümerin des Geländes geworden und es steht fest, dass die Spielfelder irgendwann dem Bagger werden weichen müssen. Dass die erst acht Jahre später anrücken, kann damals noch niemand wissen. Die “Tennisgemeinschaft Neuer Weg” hat als Rechtsnachfolgerin der TG Verseidag aber nur eine kurze Lebensdauer. Inzwischen ist die Anlage ebenso wie die benachbarten Kleingärten städtisches Eigentum. An der Konstellation hat sich aber nichts geändert, denn die Stadt hat kein Sportgelände, sondern Bauland gekauft. Nachdem die Gesellschaft bürgerlichen Rechts keine Veränderung des Vertrages bekommt, muss gehandelt werden.
 
 

Die Vereinshistorie